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Mathe-Treff Mathe & Leute

Mathematik im Strukturwandel

LRSD Joachim Schöpke spricht über Aktivitäten des letzten Schuljahres

Düsseldorf, August 2009. Auch die mathematische Bildungslandschaft hat sich in unserem Lande im letzten Schuljahr den existierenden Vorgaben und Plänen entsprechend weiter verändert.

MT: Im Schuljahr 2007/08 gab es beim Zentralabitur in Mathematik einige Probleme, auf die man sicher gerne verzichtet hätte. War der dritte Durchgang mit weniger Stress beladen?

JS: Exakte Zahlen über erzielte Ergebnisse beim Abitur 2009 werden demnächst vorliegen. Jedoch scheint in diesem Jahr aus Sicht sämtlicher Beteiligten und allen bis dato vorliegenden Informationen zufolge alles sehr zufriedenstellend verlaufen zu sein.

MT: Hatte man nach zwei Durchgängen inzwischen einfach nur genügend üben können, so dass alle  wussten, worauf es schließlich ankam, oder waren es eher konkrete Maßnahmen, auf die sich der diesjährige Erfolg zurückführen lässt?

JS: Natürlich braucht ein Übergangsprozess dieser Größenordnung eine gewisse Eingewöhnungsphase. Aber darauf alleine hat man die Dinge nicht beruhen lassen. Sowohl von Seiten des Ministeriums als auch auf der Ebene der Bezirksregierungen gab es umfangreiche Aktivitäten, um den Ablauf beim Zentralabitur weiter zu optimieren.

MT: Lässt sich dies näher konkretisieren?

JS: Unter Leitung von Professor Bos1 in Dortmund wurden die Verantwortung für Konzeption und Auswahl der Abituraufgaben und die Zuständigkeiten bei Nachfragen von Seiten der Schulen im Rahmen des schriftlichen Abiturs umfassender zentralisiert. Außerdem wurden über die Dezernate mit Unterstützung der Kompetenzteams im Vorfeld zahlreiche, zusätzliche Informationen an die Lehrerinnen und Lehrer weitergereicht.

MT: Zielen Sie damit auch auf die Veranstaltungen zum Thema “Qualitätsoffensive zum Zentralabitur in Mathematik – Möglichkeiten der Optimierung in der letzten Unterrichtsphase”, die in unserem Regierungsbezirk von November bis Dezember 2008 angeboten wurden?

JS: Genau! Nachdem das erste Echo auf die Einladungen zu diesen Veranstaltungen zunächst eher geteilt ausfiel, hat die Sichtung der Evaluationsdaten gezeigt, dass diese abschließenden Informationen bei den Beteiligten schließlich zu durchaus positiven Resonanzen führten. Neben einem umfangreichen und für uns sehr hilfreichen Katalog aus den Federn der Teilnehmer mit weiteren Optimierungsvorschlägen zum Ablauf des Zentralabiturs, haben diese gemeinsamen Workshops wohl noch manche offenen Fragen klären können.

Foto von Joachim SchöpkeBesonders gefielen offenbar an diesen Nachmittagen die Möglichkeit der gemeinsamen Diskussion und die Simulation einer Aufgabenauswahl unter Abiturbedingungen. Die umfangreich bestückte CD mit der großen Aufgabenauswahl aus den bisherigen zentralen Prüfungen, inkl. des detaillierten Katalogs2, der es anhand bestimmter Schwerpunkte möglich macht, geeignete Aufgaben gezielt auszuwählen, waren weitere “Attraktionen” dieser Veranstaltung.

MT: Worin besteht für den Einzelnen der Stress bei der Aufgabenauswahl?

JS: Aufgrund der Aufgabenanzahl ist es i. A. nicht möglich, während der Auswahlzeit – die ja inzwischen auf Anregung der Teilnehmer ab 2009 deutlich ausgeweitet wurde – sämtliche Aufgaben bis ins Detail selbst durchzurechnen. Externe Berater sind nicht erlaubt. Die Verantwortung für die Auswahl tragen allein die Fachlehrerinnen und Fachlehrer. Letztendlich müssen sie in kurzer Zeit sorgfältig abwägen, mit welchem “Paket” die eigene Schülerklientel bei den vorliegenden Kenntnissen am besten zurechtkommen wird.

MT: Sind für die laufende Jahrgangsstufe 13 ähnliche Veranstaltungen geplant?

JS: Die Kompetenzteams werden auch in diesem Schuljahr ähnliche Veranstaltungen anbieten. Doch ich möchte noch einmal rückblickend meinen Dank und meine Anerkennung gegenüber den Moderatorinnen und Moderatoren unter der Leitung von Herrn Petrak äußern. Trotz des enormen Zeitdrucks ist es gelungen, diese Fortbildungsmaßnahme, bei der einzelne Moderatoren kurzfristig bis zu 6-mal im Einsatz waren, so positiv zu realisieren. Wie hilfreich dabei das kooperative und verständnisvolle Publikum war, habe ich bereits erwähnt.

MT: Demnach gibt es wahrscheinlich alternative Themen für die Lehrerfortbildung in der Oberstufe?

JS: Ein interessantes Ergebnis der Veranstaltungen zum Ende des Jahres 2008 war die Tatsache, dass  viele Teilnehmer während der Workshop-Phase den Entschluss formulierten, mit einer zusätzlichen Vertiefung zum Thema “Übergangsmatrizen” die Auswahlmöglichkeiten beim Abitur weiter zu vergrößern und damit zu verbessern. In diesem Kontext sollte man das Angebot der Lehrerfortbildung für die Oberstufe mit dem Titel “Lineare Algebra unter Berücksichtigung des Matrizenkalküls” sehen. Es versteht sich als eine logische Konsequenz unserer Bemühungen, den Umgang mit Matrizen an den Schulen weiter zu etablieren. Damit verbunden ist natürlich die Hoffnung, beim Abitur den Auswahlrahmen für matrizenbasierte Aufgabenstellungen demnächst einmal deutlich über das bislang vorliegende 20%-Niveau heben zu können.

MT: Wo liegen weitere mögliche Fortbildungsbedarfe für das laufende Schuljahr?

Im Schuljahr 2010/11 werden das Langzeit-Modell (G9) und das Kurzzeit-Modell (G8) gleichzeitig aus der Sekundarstufe I in die Oberstufe wechseln und in die Einführungsphase eintreten. Dabei basieren die bis dahin erworbenen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler auf den vorliegenden Kernlehrplänen, welche – je nachdem welches Modell vorliegt – leicht unterschiedlich sind. In jedem Fall treffen beide Modelle in der Einführungsphase auf einen traditionell orientierten Lehrplan. Hier liegen mit Sicherheit Aufgaben für die Lehrerfortbildung in Mathematik am Gymnasium.

MT: Im laufenden Schuljahr erleben wir innerhalb des Langzeit-Modells die letzte Runde zur Zentralen Prüfung 10 in den Gymnasien. Wie sieht es beim Kurzzeit-Modell aus?

Die zukünftigen G8-Jahrgänge werden innerhalb der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe am Ende des jeweiligen Schuljahres eine zentrale Vergleichsklausur in Mathematik – und auch in Deutsch – schreiben.

MT: Gibt es inzwischen Informationen zur diesjährigen  “Lernstanderhebung in der Jahrgangsstufe 8”?

Die Aufgaben wurden im letzten Schuljahr zum ersten Mal zentral für die gesamte Bundesrepublik vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin formuliert. Damit sollte für diese Prüfung ein bundeseinheitliches Niveau erreicht werden. Auch die Auswertung dieser Ergebnisse wird in Kürze vorliegen.

(rm)

 

1 Prof. Dr. Wilfried Bos ist Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund.

2  Der Katalog war nach einer gemeinsamen Vorbereitung schließlich von der Bezirksregierung Köln zur Verfügung gestellt worden. (Anm. rm)

 

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Mittwoch, 23. Mai 2012 / 10:03:31