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Ordnung und Gefahrenabwehr - Kampfmittelbeseitigung
 

 
 

14.05.2018

Wo Weltkriegsbomben lebhaft verbrennen – Besuch in der Außenstelle Hünxe

„Umsetzung“, „lebhaftes Verbrennen“ – Dr. Thomas Brückert hat verschiedene Begriffe für das, was andere Menschen ganz einfach „Explosion“ nennen. Das ist aber kein Wunder, denn er und seine 14 Mitarbeiter haben jeden Tag mit Sprengstoffen zu tun. Bei einem Besuch der Regierungspräsidentin in der Außenstelle Hünxe hat er jetzt über den Stand der Modernisierung des Betriebs informiert.

Herzstück ist der neue Wanderbettschachtofen – eine Pilotanlage, die von der Firma Eisenmann speziell für Hünxe entwickelt wurde. In der 22 Meter hohen Metallröhre mit einem Durchmesser von 2,80 Meter werden die Bomben, Granaten und andere Munition, die die Kollegen vom Kampfmittelräumdienst aus der Erde holen, „umgesetzt“, sprich unschädlich gemacht und vernichtet. Früher passierte dies in einer offenen Vorrichtung ohne Absaugen der Abgase. Kein Wunder, dass die Kollegen von Thomas Brückert von einem Quantensprung sprechen.

Mit der 2009 begonnenen Modernisierung (Gesamtkosten: rund  58 Millionen Euro) ist der Job der Mitarbeiter zwar nicht ungefährlich geworden. Doch wenn Ende des Jahres alles fertig ist, müssen die Menschen nicht mehr in  unmittelbarer Nähe der Kampfmittel agieren, sondern steuern die Vorbereitung und die Vernichtung  der Munition von computergestützten Leitständen aus. Brückert: „Wenn es Schäden geben sollte, dann nur an den Maschinen, nicht an den Menschen.“

Doch zurück zum Ofen: Der ist gefüllt mit 140 Tonnen golfballgroßer Stahlkugeln. Die Kampfmittel werden in so genannte Normgefäße gepackt – mehr als 10 kg dürfen dort nicht rein –, die in dem Ofen mit den Stahlkugeln nach unten gerüttelt werden. In der Mitte des Zylinders – in der Sprengzone – herrschen bis zu 550 Grad, hier verbrennen bzw. explodieren die Bomben und Granaten. Die dabei entstehenden Abgase werden aufgefangen und gereinigt.

Doch bis die Bomben in dem neuen Ofen landen, haben sie schon einen langen Weg durch das 32 Hektar große Gelände genommen. Sie werden von einem Roboter gewaschen – also von Lehm und Erde befreit und ggf. so zerkleinert, dass sie in die Normgefäße passen. Wenn das nicht möglich ist, werden sie zersägt und danach ausgedüst – d.h. der Sprengstoff wird mit Wasser herausgespült. Bevor es dann in die länglichen schwarzen Kunststoffbehälter geht, wird alles fein säuberlich verpackt, damit es keine bösen Überraschungen durch Erschütterungen gibt.  All dies geschieht größtenteils automatisch und computergesteuert und ist so modern, dass für deren Besichtigung sogar schon Experten aus Japan angereist sind.

Auf dem Gelände wird aber nicht nur vernichtet. Seltene Arten haben zwischen den Hallen ein Zuhause gefunden: Im Löschwasserteich haben sich Kammmolche angesiedelt, Rehe nutzen die grasbewachsenen Bunker als Aussichtsplattform und die Fahrwege sind mit Krötenzäunen gesichert.

Weitere Nutzer dieser in NRW einzigartigen Einrichtung sind das Landeskriminalamt und das Landesamt für zentrale  polizeiliche Dienste, die insbesondere die gesicherten Lagerkapazitäten auf dem Gelände schätzen. Zudem werden hier in diversen Kooperationen Menschen aber auch Sprengstoffspürhunde im Umgang mit dem explosiven Material geschult. Dazu dienen auch die zwei Museumsbunker, in denen von der Patrone bis zur größten Bombe fast alles zu sehen ist, was der Kampfmittelräumdienst aus der Erde holt. Diese Exponate müssen aber nicht mehr „umgesetzt“ werden. Die sind bereits unschädlich gemacht worden.