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Umweltschutz - Altlasten / Bodenschutz
 

 
 

25.09.2018

Altlastenbearbeitung im Regierungsbezirk Düsseldorf

Die Altlastensituation im Regierungsbezirk Düsseldorf ist durch seine bergbauliche Geschichte, die extreme Verdichtung von Industrie und Siedlung im Zuge der Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert, die Kriegseinwirkungen während des 2. Weltkrieges und zuletzt durch den Strukturwandel geprägt.

Durch die enge Verflechtung von Industrie und Wohnen und dem zunehmenden Strukturwandel in unserer Region wurden seit Mitte der 80er Jahre eine Vielzahl an Altlastfällen bekannt. Die betroffenen Grundstücke werden heute im Zuge des Flächenrecyclings durch Gewerbe und für den Bau von Wohngebäuden neu genutzt.

Grundsätzlich soll in Nordrhein-Westfalen der Flächenverbrauch gesenkt werden (Reduktionsziel 5 ha/Tag in 2020). Flächenrecycling und die Konversion von ehemals militärisch genutzten Liegenschaften sind daher ein zentraler Punkt in der Altlastenbearbeitung.

Aber auch die Sicherung von Altablagerungen i.d.R. ehemaliger Deponien, bei denen Gefahren für angrenzende Wohnbebauungen durch Methanausgasungen oder durch Grundwasserverunreinigungen bestehen, spielt eine wichtige Rolle.

Stand der Bearbeitung

Die Erfassung von Altlastenverdachtsflächen und Ihre Bewertung erfolgt nach dem Landesbodenschutzgesetz NRW und ist Aufgabe der Unteren Bodenschutzbehörden (UBB) der Kreise und Kreisfreien Städte. Für ein Viertel der erfassten Flächen liegt derzeit noch keine Bewertung vor. Nur 2% der aktuell registrierten Flächen sind festgestellte Altlasten, welche zum Teil überwacht werden oder mit Nutzungsbeschränkungen versehen sind. Saniert wurden bisher 4% der Flächen.

Im Regierungsbezirk Düsseldorf sind über 30.000 Verdachtsflächen erfasst. Hiervon sind ca. 7.500 Flächen einer Gefährdungsabschätzung unterzogen worden, während ca. 2.500 Flächen saniert wurden bzw. werden. Gut 2500 Gefährdungsabschätzungen und rund 1000 der Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen der Kommunen wurden von der Bezirksregierung Düsseldorf mit einem Kostenanteil von über 100 Mio. €  im Rahmen des seit 1985 laufenden und noch bestehendem Landesförderprogramm „Sanierung von Altlasten“ gefördert. Weitere Finanzierung von Altlastenbehandlungsmaßnahmen erfolgten vom Land NRW im Rahmen der Städtebauförderung, der Wirtschaftsförderung, durch den AAV und durch die LEG.

Aktuelle Themen

Flächenrecycling

Durch den verstärkten Strukturwandel von einer Industrie- zur Dienstleistungsregion sind große freiwerdende Industrieflächen und deren Reaktivierung von Interesse für Investoren, Städteplanung und -entwicklung.

Von der Bezirksregierung Düsseldorf wird eine Wiedernutzbarmachung solcher Flächen unmittelbar zur Wirtschaftsförderung und zum Bodenschutz – durch Vermeidung eines weiteren Flächenverbrauches – genutzt.

Bedeutsame Maßnahmen im Regierungsbezirk Düsseldorf:

  • ehem. Thyssengelände in Oberhausen, heutiges Centro-Gelände
  • ehem. RWE-DEA-Gelände in Moers, heutiges Eurotec-Gelände
  • ehem. Kokerei Osterfeld in Oberhausen, ehem. Landesgartenschaugelände
  • ehem. Zeche Zollverein in Essen, Kulturerbe der UNESCO
  • ehem. Shellgelände in Monheim, gewerbl. Neunutzung
  • ehem. elektrochemische Fabrik Kempen (ECF), gewerbl. Neunutzung
  • ehem. Krupp-Hoesch-Hüttenwerksgelände in Duisburg-Rheinhausen, heutiges Logport I-Gelände
  • ehem. Sudamingelände in Duisburg  (2008 abgeschlossen), heutiges Logport II-Gelände
  • ehem. ArcelorMittal in Duisburg, heutiger RheinPark

Konversion (Umnutzung) militärischer Flächen

Bedeutsamste Maßnahme ist die in den letzten Jahren erfolgte Neunutzung des ehem. RAF-Flugplatzgeländes in Weeze-Laarbruch.

Neben kleineren Grundwasserschäden wurden dort rd. 90 örtliche Kohlenwasserstoffverunreinigungen im Boden sukzessive im Rahmen der zivilen Flugplatzneunutzung saniert.

Aktuell läuft die Konversion des ehem. RAF-Flugplatzgeländes Niederkrüchten-Elmpt.


Sicherungsmaßnahmen von ehem. Deponien

Das deutsche Abfall- und Deponierecht enthält heute strenge Vorgaben zu Errichtung, Betrieb und Stilllegung von Deponien, die verhindern sollen, dass Mensch und Umwelt geschädigt werden.

An einer Vielzahl ehemaliger Hausmüll- und Sondermülldeponien wurden nachträglich Sicherungsmaßnahmen durch Bau eines aktiven oder passiven Entgasungssystems, Oberflächenabdichtungssystems durch mineralische Abdichtung oder Kunststoffdichtungsbahnen und vereinzelt durch Dichtwandeinschließung vorgenommen.


Abb.: Verlegung von Kunststoffdichtungsbahnen (KDB) im Kuppenbereich der ehem. Hochdeponie Flynnertzdyk

Bedeutsame Maßnahmen im Regierungsbezirk Düsseldorf:

  • ehem. SMD Breitscheid I in Ratingen
  • ehem. HM-Deponie Flynnertzdyk in Krefeld
  • ehem. HM-Deponie Bromberger Straße in Oberhausen
  • ehem. HM-Deponie Am Kuckuck in Ratingen
  • ehem. SM- und HM-Deponie Eskesberg in Wuppertal
  • ehem. HM-Deponie Emmerich

Nach Abschluss der Sanierung wurden und werden die Flächen für Freizeitzwecke freigegeben und dienen oftmals als Naherholungsgebiete.

PFC - ein neuer Umweltschadstoff

In den vergangenen Jahren haben per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) im Zusammenhang mit Boden- und Grundwasserschäden zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Die Eigenschaften von PFC stellen besondere Anforderungen an die Erfassung, Erkundung, Bewertung und Sanierung entsprechender Fälle, denn:

  • PFC sind chemisch stabil und dadurch langlebig
  • PFC sind gut wasserlöslich
  • PFC reichern sich in Umweltmedien und Organismen an

Hinzu kommt, dass PFC als Bestandteil von Löschmitteln auch außerhalb von klassischen Altstandorten oder Altablagerungen zu einer erheblichen Belastung von Boden und Grundwasser führen können.

Bedeutsame Sanierungsmaßnahmen im Regierungsbezirk Düsseldorf:

  • PFT-Verunreinigung Lohausen / Kaiserswerth durch den Flughafen Düsseldorf
  • PFT-Verunreinigung Gerresheim durch den Einsatz von Löschmitteln beim Großbrand einer Lagerhalle 2001

Ausblick

Die Zahl der Altablagerungen und Altstandorte nimmt weiterhin zu, da die Erhebungen der Kreise und kreisfreien Städte noch nicht abgeschlossen sind. Insbesondere bei den Altstandorten ist auch zukünftig mit einem Anstieg zu rechnen. Für ca. 25% der aktuell registrierten Flächen liegen zudem noch keine Verdachtsbewertungen vor.

Die Altlastenbearbeitung und ihre Förderung wird somit, auch vor dem Hintergrund zusätzlicher Anforderungen durch neue oder die Neubewertung bekannter Schadstoffe, in den kommenden Jahren weiterhin ein dringliches Thema sein.