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Umweltschutz - Altlasten / Bodenschutz
 

 
 

19.11.2008

Altlastenbearbeitung im Bezirk Düsseldorf

25 Jahre Altlastenbearbeitung!

Die Altlastensituation ist im Bezirk Düsseldorf durch die ca. 100 Jahre weit zurückreichende Industrialisierung, bergbauliche Geschichte und Ballung von Industrie und  Siedlung, die Eigenart und den Wandel der Industriestruktur sowie durch die Kriegseinwirkungen während des 2. Weltkrieges geprägt.

1983 wurden die ersten Altlastenfälle im Bezirk Düsseldorf bekannt und mit den Sanierungen begonnen. Hierbei handelte es sich um

  • ehem. Zechen- und Kokereiflächen im Ruhrgebietsraum, die gewerblich wieder genutzt werden sollten und
  • Altstandorte der chem. und metallverarbeitenden Industrie entlang des Rheins mit sehr hohen CKW-Verunreinigungen des Grundwassers.

Ab Mitte der 80er Jahre zeigte sich durch die enge Verflechtung zwischen Wohnen und Industrie, häufig wechselnden Nutzungen eine Vielzahl von Altlastfällen, mit einer Überbauung durch Wohnnutzung .

Von Bedeutung ist weiterhin die Konversion von ehem. militärisch genutzten Liegenschaften und der damit seit Mitte der 90er Jahre begonnenen Altlastenbearbeitung.

Neben diesen spektakulären und  in der Öffentlichkeit bekannten Altlastfällen wurden eine Vielzahl von ehem. Deponien, bei denen Gefahren für angrenzende Wohnbebauungen durch Methanausgasungen oder durch Grundwasserverunreinigungen bestanden, durch Sicherungsmaßnahmen saniert.

Stand der Bearbeitung

Im Bezirk sind zur  Zeit 21.700 Verdachtsflächen erfasst.

Hiervon sind rd. 5.500 Flächen einer Gefährdungsabschätzung unterzogen worden, während rd. 1.800 Flächen saniert wurden bzw. werden.

1.070 der Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen der Kommunen wurden von der Bez. Reg. Düsseldorf mit einem Kostenanteil von 130 Mio. €  im Rahmen des seit 1985 laufenden und noch bestehendem Landesförderprogramm „Sanierung von Altlasten“ gefördert. Weitere Finanzierung von Altlastenbehandlungsmaßnahmen erfolgten vom Land NRW im Rahmen der Städtebauförderung, der Wirtschaftsförderung und durch die LEG.

Mit Wohnbebauung überbaute sanierte Altlasten

  • ehemaliges Geländes der Fa. Altenberg in Essen-Borbeck (quecksilberverunreinigtes ehem. Zinkhüttengelände, Anfang bis Mitte der 80er Jahre durch Wohnsiedlung überbaut, Sanierung 1990 abgeschlossen, rd. 60 Mio. DM Sanierungs- und Entschädigungskosten)
  • Hilfswerkstraße in Duisburg (oberflächennah mit PAK’s hoch belastetes ehem. Kokereigelände)
  • Varresbecker Bach in Wuppertal (Verfüllung eines ehem. Bachtales mit Bauschutt, Gaswerksrückständen und Rückständen der Farbindustrie)
  • ehem. Erzbergwerk/Zinkhütte Eppinghofen in Mülheim (hoch schwermetallbelastete Auffüllungen aus Rückständen der Zinkverarbeitung)
  • ehem. Zeche Carl in Wuppertal (Galmeiabbaufläche/ Zinkgewinnung mit sehr hohen Schwermetallbelastungen)

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Bild 1: ehem. Zeche Carl, Bodenaustausch zwischen Wohnbebauung im Garten

In allen Fällen erfolgten die Sanierungsmaßnahmen durch einen 0,6 bis 1,2 m mächtigen Bodenaustausch, teils mit Oberflächenabdichtungen. Eine Umsiedlung der Bewohner wurde nicht erforderlich.

Die Lösung der Akzeptanzproblematik erfolgte in allen Fällen durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeiten, enge Kooperation zwischen den betroffenen Kommunen und der Landesbehörden und Übernahme der Sanierungskosten durch das Land im Rahmen der Landesförderung und des Eigenanteils durch die betroffenen Kommunen.

Flächenrecycling

Im 2. und 3. Jahrzehnt der Altlastenbearbeitung stehen im Bezirk Düsseldorf die durch den verstärkten Strukturwandel von einer Industrie- zur Dienstleistungsregion freiwerdenden großflächigen ehem. Industrieflächen und deren Reaktivierung im Vordergrund.

Von der Bez. Reg. wird eine Wiedernutzbarmachung solcher Flächen unmittelbar zur Wirtschaftsförderung und zum Bodenschutz – durch Vermeidung eines weiteren Flächenverbrauches – genutzt.

Bedeutsame Maßnahmen waren und sind im Bezirk Düsseldorf:

  • ehem. Thyssengelände in Oberhausen, jetziges Centrogelände
  • ehem. RWE-DEA-Gelände in Moers, jetziges Eurotecgelände
  • ehem. Kokerei Osterfeld in Oberhausen, ehem. Landesgartenschaugelände
  • ehem. Zeche Zollverein in Essen, Kulturerbe der UNESCO
  • ehem. Shellgelände in Monheim, gewerbl. Neunutzung
  • ehem. elektrochemische Fabrik Kempen (ECF), 2010 abgeschlossen
  • ehem. Sudamingelände in Duisburg  (2008 abgeschlossen), jetziges Logport II-Gelände
  • ehem. Krupp-Hoesch-Hüttenwerksgelände in Duisburg-Rheinhausen, jetziges Logport I-Gelände

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Bild 2: Luftbild Logport

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Bild 3: Hüttenwerk Rheinhausen

Konversion

Bedeutsamste Maßnahme ist die in den letzten Jahren erfolgte Neunutzung des ehem. RAF-Flugplatzgeländes in Weeze-Laarbruch.

Altlastensituation: neben kleineren Grundwasserschäden wurden bzw. rd. 90 örtliche Kohlenwasserstoffverunreinigungen im Boden sukzessive im Rahmen der zivilen Flugplatzneunutzung saniert.

Zukünftig steht als nächste große Maßnahme die Konversion des ehem. RAF-Flugplatzgeländes in Niederkrüchten-Elmpt an. Im Rahmen der Gefährdungsabschätzung soll im Jahr 2009 als erster Bearbeitungsschritt eine historische Recherche des Gesamtgeländes durchgeführt werden.

 Sicherungsmaßnahmen von ehem. Deponien

An einer Vielzahl ehem. Hausmüll- und Sondermülldeponien wurden Sicherungsmaßnahmen durch Bau eines aktiven oder passiven Entgasungssystems, Oberflächenabdichtungssystems durch mineralische Abdichtung oder Kunststoffdichtungsbahnen und vereinzelt durch Dichtwandeinschließung  vorgenommen.

Bedeutsame Maßnahmen waren im Bezirk Düsseldorf:

  • ehem. SMD Breitscheid I in Ratingen
  • ehem. HM-Deponie Flynnertzdyk in Krefeld

schubkarre

Bild 4: Verlegung KDB im Kuppenbereich der ehem. Hochdeponie Flynnertzdyk

  • ehem. HM-Deponie Bromberger Straße in Oberhausen
  • ehem. HM-Deponie Am Kuckuck in Ratingen
  • ehem. SM- und HM-Deponie Eskesberg in Wuppertal
  • ehem. HM-Deponie Emmerich

Nach Abschluss der Sanierung wurden und werden die Flächen für Freizeitzwecke genutzt.

Ausblick

Im ersten Jahrzehnt der Altlastenbehandlung standen zumeist die Probleme der Gefahrenbeurteilung, rechtliche Probleme „wer ist heranzuziehen“ und die fachlichen Probleme „how clean is clean“ im Vordergrund. In dieser Zeit wurden oft kostenintensive Sanierungslösungen, „auf der sicheren Seite“ liegend, gewählt. Nachdem durch das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) und der dazugehörigen Bundes- Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) 1998 und 1999 die rechtlichen Regelungen und fachlichen Grundlagen für eine einheitliche Gefahrenbeurteilung geschaffen wurden, liegen die zukünftigen Probleme, angesichts immer knapper werdender Kassen bei allen privaten und kommunalen Ordnungspflichtigen bei der Suche nach bezahlbaren intelligenten Sanierungslösungen.