1918–1933: Die Bezirksregierung Düsseldorf in der Weimarer Republik
Nach 1918 stand die junge Weimarer Republik vor großen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, die auch die Verwaltung herausforderten. Trotz formaler Demokratisierung blieb die Bezirksregierung Düsseldorf stark von konservativen Strukturen und einem kaisertreuen Beamtenethos geprägt. Diese Spannung zwischen Tradition und Wandel prägte die Verwaltung in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher Unsicherheiten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde im Jahr 1918 die Weimarer Republik gegründet. Sie stand von Beginn an vor großen Herausforderungen, insbesondere durch den gesellschaftlichen Wandel vom monarchisch-hierarchischen Staat des Kaiserreichs hin zur Idee einer demokratischen Republik. Dies spiegelte sich auch in der vielfältigen und zersplitterten Parteienlandschaft wider. Zum einen gab es die konservative Seite, die sich die alten Machteliten und das Kaiserreich zurückwünschte. Hierzu gehörten unter anderem ein Großteil der Beamten und die Reichswehr, die von den alten Strukturen jahrzehntelang profitiert hatten. Zum anderen gab es ein starkes linkes politisches Lager, das die Räteherrschaft nach sowjetischem Vorbild anstrebte.
Von Anfang an standen sich die politischen Lager konfrontativ gegenüber, was – gemeinsam mit den Bedingungen des Friedensvertrags – Entmilitarisierung, Gebietsabtretungen, Reparationszahlungen – die Gesellschaft in Unruhe versetzte und keinen guten Start der ersten deutschen Demokratie darstellte.
Auch während dieser politischen Umbrüche blieben die historisch gewachsenen Verwaltungsstrukturen intakt, obwohl die politischen Rahmenbedingungen deutlich instabiler wurden. Das Regierungspräsidium Düsseldorf wandelte sich zwar offiziell von einem monarchisch geprägten Obrigkeitsstaat zu einer formal-demokratischen Verwaltung, institutionell blieb die Behörde jedoch konservativ geprägt. Der Staat geriet in einen Zwiespalt, den widersprüchliche Ansprüche an sein eigenes Selbstverständnis hervorriefen.
Dies galt auch für das preußisch geprägte Beamtenethos. Viele Beamte standen der neuen Republik skeptisch bis feindlich gegenüber, da sie keinen grundlegenden Gesinnungswandel vollzogen hatten. Sie blieben den Strukturen und Rollenbildern verbunden, in denen sie geprägt und sozialisiert worden waren.
Als Konsequenz daraus, dass ein Großteil der Beamten aus dem kaisertreuen Milieu rekrutiert wurde, zeigten sich mangelnder Reformwille und der Hang zur Fortsetzung monarchisch-obrigkeitlicher Denkmuster im Verwaltungshandeln.
Der Beamte fungierte weiterhin als verlängerter Arm eines Staates, der die Bürgerinnen und Bürger nicht als Souverän, sondern als zu verwaltende Masse verstand. Demokratische Partizipation und Transparenz waren im Verwaltungsalltag kaum existent, was die Entfremdung vieler Bürgerinnen und Bürger in den unruhigen Zeiten der Weimarer Republik vom Staat noch vertiefte.
Als Ergebnis aus diesen staatlichen Strukturen blieb auch die politische Bildung im Staatsdienst – sowohl in Bezug auf Schulbildung als auch auf Vorbereitungsdienste – konservativ und bewahrend, wodurch sich die Verwaltung der demokratischen Erneuerung entzog.
In Düsseldorf wurde dieses Verhältnis zwischen Staat und Bürgerinnen und Bürgern besonders deutlich während des sogenannten „Düsseldorfer Blutsonntags“ am 30. September 1923, als die Polizei gegen einen Putschversuch der separatistischen Bewegung im Rheinland vorging, was zu zahlreichen Toten und Verletzten führte. Die Weimarer Republik, deren Verfassung nur den Rang eines einfachen Gesetzes hatte und deren Politik von zahlreichen antidemokratischen Parteien beeinflusst wurde, geriet bald ins Wanken.
Nicht zuletzt diese zuvor benannten Kontinuitäten trugen dazu bei, dass die Verwaltung in der NS-Zeit nahtlos in den totalitären Machtapparat integriert werden konnte.
Gesamtpolitisch wuchs die Bedeutung des Regierungsbezirks Düsseldorf während des19. Jahrhunderts stetig, vor allem aufgrund seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Die Region um Düsseldorf war industriell geprägt und entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Zentrum des preußischen Staates. Dies erhöhte die Aufgaben des Regierungspräsidiums, das neben der Verwaltung auch wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen und die industrielle Entwicklung fördern wollte.
Insgesamt spiegelt die Geschichte der Bezirksregierung Düsseldorf die Entwicklung der preußischen und später deutschen Verwaltung wider. Sie verkörpert die zentralistische Verwaltungsstruktur, die in Preußen fest verankert war und im 19. Jahrhundert zur Grundlage moderner Verwaltungssysteme in Deutschland wurde. Auch wenn sich die politischen Systeme im Laufe der Zeit änderten – von der preußischen Monarchie über das Kaiserreich bis hin zur Weimarer Republik und darüber hinaus – blieb die Rolle der Bezirksregierung als Verwaltungszentrum und als Bindeglied zwischen Staat und Region bestehen.