Kurt Baurichter, geboren 04.01.1902 in Bielefeld, gestorben 13.09.1974 in Krefeld

Kurt Baurichter

1947–1967

Erst mit der Ernennung von Kurt Baurichter (SPD) zum Regierungspräsidenten durch den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen am 04.08.1947 erfuhr die Verwaltung des Bezirks Kontinuität.  Mit Baurichter, der dieses Amt 19 Jahre und 6 Monate innehatte, wurde ein Mitglied des von der britischen Militärregierung berufenen ersten Landtages von Nordrhein-Westfalen und damit eine von den Volksvertretern des Landes gewählte Persönlichkeit zum Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Düsseldorf ernannt. Mit dem in Verwaltung und Wirtschaft erfahrenen Diplom-Volkswirt Baurichter stand eine integre Persönlichkeit an der Spitze des größten Regierungsbezirks des Landes. 

Baurichter hatte sich 1934 gegen eine Karriere in der NSDAP und für das Risiko des Widerstandes und der Arbeit in der Illegalität entschieden. 1934 wurde er in Schutzhaft genommen und bis Anfang 1936 inhaftiert. Er befand sich im Rahmen dieser im KZ Columbia in Berlin, in der Gestapo-Zentrale, im KZ Lichtenburg bei Torgau, im Alex und im Untersuchungsgefängnis Moabit. 1936 wurde er vom Kammergericht aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Freispruch war dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass sein Prozess vor einem Kammergericht und nicht vor einem Sondergericht stattfand. Die Sondergerichte waren bereits 1936 mit SA- und SS-Führern besetzt und urteilten nicht mehr nach rechtsstaatlichen Grundsätzen.1

Nicht nur wirtschaftliche Interessen, sondern auch die Sorge um die Gefährdung der Menschen und die Zerstörung aller Humanitas trieben Baurichter an. Konflikte mit der Militärregierung waren daher vorhersehbar.
Zum offenen Konflikt zwischen Militärregierung und Regierungspräsident kam es, als Baurichter Ende der vierziger Jahre die von den Alliierten angeordnete Demontage von Industrieanlagen mit den Mitteln der Verwaltung bekämpfte.
Er machte Abbruchunternehmen ausfindig, die für die Alliierten arbeiteten, aber keine entsprechende Genehmigung besaßen, verhängte Bußgelder und drohte mit Stilllegungsverfahren. Wie von Baurichter vorhergesehen und geplant, ergab die anschließende Überprüfung durch die britische Militärregierung, dass die Arbeiten der Abbruchunternehmen aufgrund fehlender Genehmigungen illegal waren. Die britische Militärregierung folgte dem Gesetz und entschied, dass die Abbrucharbeiten nicht fortgesetzt werden durften. So wurden am 22.11.1949 die Demontagearbeiten in 84 Betrieben im Regierungsbezirk gestoppt.2 Arbeitsplätze blieben erhalten oder konnten sogar neu geschaffen werden. Der Wirtschaft und den Menschen war geholfen.
Am 01.02.1967 schied Baurichter aus Altersgründen aus dem Amt.

Ihm zu Ehren benannte die Stadt Düsseldorf die Straße zwischen dem Hauptgebäude der Bezirksregierung und dem Golzheimer Friedhof in „Kurt-Baurichter-Straße".


Fußnoten

1 Abschiedsrede „Abschiedsmelodie" Kurt Baurichter vom 01.02.1967
2 Neu-Zeit: 175 Jahre Verwaltung und Wirtschaft im Regierungsbezirk Düsseldorf Seite 57f und 97