Öffentliche Belobigung

Ein Dank für die Lebensretter

Es ist ein nicht alltäglicher Akt: Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat Bürger öffentlich belobigt. Sie alle haben in einer Notsituation nicht weg- oder zugeschaut, sondern spontan agiert, Verantwortung übernommen und dadurch Menschenleben gerettet.

„Das ist doch selbstverständlich“, sagten alle, doch das war ihr Handeln nicht. Stellvertretend für den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen überreichte ihnen Abteilungsdirektor Chris Patrick Kruse im Gebäude der Bezirksregierung Düsseldorf die Belobigungsurkunden.

Einer der Geehrten ist Murat Alkan (45). Der Sicherheitsbeauftragte arbeitete im Januar 2020 auf der Kö in Düsseldorf, als ein Pkw die Absperrung eines Parkplatzes durchbrach und in den Kö-Graben stürzte. „Der Wagen sank immer tiefer ins Wasser“, schildert der Solinger das Schreckensereignis. Ohne zu zögern sprang er in den Kö-Graben und half, die hilflose Fahrerin (79) sowie den Beifahrer (81) aus dem Fahrzeug zu befreien und über das Steilufer in Sicherheit zu bringen. „Gott sei Dank ist alles gut gegangen“, sagt Murat Alkan über den glimpflichen Ausgang des dramatischen Unfalls.

Seine Reaktionsschnelligkeit lobte Abteilungsdirektor Kruse: „Sie haben beherzt und ohne Rücksicht auf sich selbst agiert und zwei Menschen aus einer sehr bedrohlichen Situation gerettet.“

Geistesgegenwart haben auch Normann Backhaus und Patrik Rohkoch an einem Novemberabend 2020 bewiesen, als sie kurz vor 21 Uhr durch splitterndes Glas und Schreie auf einen Brand in einem Mehrfamilienhaus in ihrer Nachbarschaft aufmerksam wurden. Sie ordneten die Geräuschkulisse („wie auf der Kirmes, wuselig, aber mit Hilferufen“) als Notfall ein, liefen zum Unglücksort und machten die eintreffenden Kollegen auf panische Menschen auf der Gebäuderückseite aufmerksam. Normann Backhaus, aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, und Patrik Rohkoch, lange Jahre Mitglied desselben Löschzugs, packten zu deren Rettung selbst an: Während Backhaus die Leiter sicherte, stieg Rohkost zu den Menschen hoch, die vor dem Rauch auf einen äußeren Fenstersims geflohen waren. „Sie haben mit Schuhen geworfen, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen“, sagt Patrik Rohkost und gesteht. „Das war hochdramatisch.“

Lebenswichtig war für einen Mitarbeiter einer IT-Firma in Neuss die Aufmerksamkeit von Sonja Bühne. Als er sich im April 2020 entgegen der Absprache nicht aus dem Homeoffice meldete, hakte Sonja Bühne nach und bemerkte beim Telefonat, dass der Mann nicht normal reagierte. Sofort verständigte sie dessen Vorgesetzten. Thomas Bommes fuhr samt Ehefrau umgehend zu der Wohnung des Mitarbeiters und hielt während der Fahrt telefonisch den Kontakt. Vor Ort alarmierte Bommes Rettungskräfte, die sich Zutritt zur Wohnung verschafften und den jungen Mann in einem lebensbedrohlichen Zustand fanden. Eine Notoperation rettete ihn. „Es war damals ja insgesamt eine besondere Situation, weil die Menschen von heute auf morgen aufgrund der Pandemie im Homeoffice arbeiteten und kaum Kontakte hatten“, erinnert sich Bommes an die soziale Isolation vieler. Umso wichtiger, dass Sonja Bühne und er sofort reagierten.

„Auch wenn Ihr Handeln Ihnen selbstverständlich scheint: Sie haben ein Leben gerettet“, bekräftigte Chris Patrick Kruse bei der Urkundenübergabe. „Die Belobigung durch den Ministerpräsidenten macht deutlich, wie außergewöhnlich, wertvoll und wichtig ein solches Einstehen für Andere ist. Es ist eine Anerkennung des Landes, und wir alle hoffen, dass Ihr Vorbild eine Wirkung in die Gesellschaft hat.“