Störstein Tuffi auf der Wupper

Sturmtief Bernd

Erste Bilanz nach der Flutkatastrophe

Drei Tote, zehn Verletzte und jede Menge Sachschaden – das ist die erste Bilanz nach Sturmtief Bernd im Regierungsbezirk Düsseldorf. Bis zu 5800 Einsatzkräfte waren gleichzeitig im Einsatz, um in den besonders betroffenen Städten Düsseldorf, Essen, Mönchengladbach, Oberhausen, Solingen, Wuppertal, Erkrath, Hilden, Langenfeld und Velbert zu helfen. Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher dankt allen, die in der Not angepackt und geholfen haben – zum Teil ohne Rücksicht auf eigene Betroffenheit.

Dezernat 22 – Einsatzunterstützung (EU)

Die Rufbereitschaft des Dezernats 22 erkannte schnell die Ernsthaftigkeit der Situation und forderte noch in der Nacht Unterstützung an: Vom Hochwasser bedrohte Gemeinden im Regierungsbezirk benötigten dringend mehr Einsatzkräfte.

Vier Mitarbeitende des Dezernats 22 kehrten frühzeitig aus ihrem Urlaub an den Arbeitsplatz zurück, Kräfte aus dem Bezirk wurden zusammengezogen und an die Einsatzorte delegiert. Die Bezirksregierungen Arnsberg und Köln konnten aufgrund der eigenen Betroffenheit kaum unterstützen, aber Münster und Detmold hatten noch Kapazitäten und halfen.

Zahlen, Daten, Fakten aus den Kommunen sammeln, auswerten, kontrollieren und Einsatzkräfte verlegen, sowie den umfangreichen Berichtspflichten an das IM nachkommen – das war der Schwerpunkt der Dezernatsarbeit.

In der Krise um Sturmtief Bernd kam erstmals ein Konzept der landesweiten Hilfe zum Tragen, das 2019 für ganz NRW entwickelt wurde: die Mobile Führungsunterstützung (MoFüSt NRW). Aus den fünf Landkreisen und zehn Städten im Regierungsbezirk Düsseldorf sind jeweils zwei (Essen und Düsseldorf je drei) Führungskräfte aus Freiwilligen und Berufsfeuerwehren in der Mobilen Führungsunterstützung; ein Kompetenzpool, der im Ernstfall angefordert wird.

Die Bezirksregierung Düsseldorf ist als „Verbinder“ in der Einsatzleitung der MoFüSt; sie koordiniert und organisiert den Einsatz (Ort, Einsatzzeiten etc.) sowie Anreise, Unterbringung, Verpflegung und hält Kontakt zu den einsetzenden Stellen. In der letzten Juliwoche wurde die Unterstützung für Rheinland-Pfalz geplant und die Helfer wurden als Stabsfunktion 1 (vergleichbar Innerer Dienst) im Krisenstabsteam des Landes Rheinland-Pfalz in Ahrweiler eingesetzt. Premiere hatte das MoFüSt-Team in den Städten Erkrath und Erftstadt.

„Wir haben den großen Vorteil, dass wir auf einheitlich vorgeplante Konzepte zurückgreifen konnten. Die anfordernde Stelle weiß, was sie bekommt und die hilfeleistende Stelle, was sie entsenden muss und kann diese Einheiten koordiniert in den Einsatz bringen“, sagt Dezernent Dr. Marcus Hans. „Das hat sich jetzt sehr bewährt.“ Was außerdem zu dem Erfolg beiträgt: Die Ausrüstung ist den Aufgaben angemessen. „Unsere Hochleistungsförderpumpen haben Wasser aus der Talsperre in Euskirchen abgeleitet und bis voraussichtlich Mitte August arbeiten sieben Pumpen in Erftstadt daran, dass die Erft wieder in ihr Flussbett geführt werden kann. Pumpen waren zeitweise Mangelware.“ Teuer, aber sinnvoll sei auch die Entscheidung gewesen, geländefähige Fahrzeuge zum Transport der Maschinen anzuschaffen. „Ohne sie kommt man im Katastrophengebiet nirgends hin“, sagt Dr. Hans.

Was man vorgeplant und beschafft hat, habe sich in dieser Krise bewährt, resümiert er und ergänzt: „Alle haben sehr gut mitgezogen, die Kolleginnen und Kollegen, die Einsatzkräfte und nicht zuletzt die Menschen, die sich ehrenamtlich im Katastrophenschutz einsetzen. Alle waren angesichts der dramatischen Ereignisse hoch motiviert zu helfen.“

Dezernat 26 - überörtliche Luftaufsicht

Im Zuge der Extremwetterlage Bernd unterstützte Dezernat 26 die Hilfskräfte in den betroffenen Krisengebieten Erftstadt, Bad Münstereifel, Schleiden/Gmünd, Stolberg und Heinsberg. Die Teams machten Jagd auf Drohnen, um die Flüge der Einsatzhubschrauber von Bundeswehr, Landespolizei und Bundespolizei sowie der Einsatzdrohnen von THW, Feuerwehr und DLRG zu sichern. Private Drohnen wurden geortet und die Steuerer ausfindig gemacht. So wurden potentielle Gefahrenquellen gebannt – und nicht zuletzt die Privatsphäre von Opfern geschützt.

Die Notwendigkeit des Einsatzes zeigt sich vor allem an der Zahl der festgestellten Verstöße: An einem Tag hat das Team im Einsatzgebiet Erftstadt bis Euskirchen 15 Drohnen detektiert und zehn Steuerer ausfindig gemacht, am nächsten Tag im Einsatzgebiet Erftstadt, Bad Münstereifel, Gemünd, Schleiden, Stollberg, Heinsberg-Ophoven zehn Drohnen und sechs Steuerer. An drei weiteren Tagen wurden in Erftstadt 31 Drohnen und 18 Steuerer identifiziert. Der Spitzenreiter und brandgefährlich: 374 Meter über Grund wurde eine Drohne ausfindig gemacht - die Hubschrauber operieren überwiegend in Höhen von Null bis 500 Metern über Grund.

Sie beteiligte sich auch mit Erfolg an der Koordination zwischen den aktiven Einsatzkräften und dem Flugbetriebskoordinator der Einsatzhubschrauber, vermittelte zwischen den regulär aktiven Drohnenpiloten, Hubschrauberpiloten und Bodeneinheiten und unterstützte im Verbund mit der Bundespolizei die „Big Pack“ Operation der Bundeswehr, die mit Hilfe der CH-53G Hubschrauber Sandsäcke am Verlauf der überfluteten Erft im Tiefstflug absetzten.

In vielen Gesprächen mit Betroffenen und Einsatzkräften ging es immer wieder um die Rechte und Pflichten von Drohnenpiloten in einer Flugbeschränkungszone. Mit Folgen: Polizei und Krisenstab veröffentlichten eindringliche Appelle an Privatpersonen und Medienvertreter, jedwede Drohnenflüge zu unterlassen.

Dezernat 54 - Wasserwirtschaft

Mit dem sich zurückziehenden Wasser nach den Sturzfluten beginnt für das Dezernat 54 nach den Überprüfungen und Maßnahmen während des Hochwassers der größere Teil der Arbeit.

Nach umfangreichen Untersuchungen und Kontrollen konnte die Ruhr wieder für die Schifffahrt freigegeben werden. Zuvor war der Fluss zweimal mit Spezialbooten auf Hindernisse, Treibgut etc. untersucht worden, die beim Befahren des Flusses gefährlich werden könnten. Die Arbeiten für die Ruhrunterhaltung sind jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Viele Fahrwassertonnen sind abgedriftet oder beschädigt worden, müssen ersetzt oder neu ausgerichtet werden. So lange gilt für das Befahren des Flusses höchste Vorsicht.

Auch an den Wehren, Schleusen und Bootsgassen wartet noch viel Arbeit auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ruhrunterhaltung. Treibgut hat sich dort gesammelt und hier geht es nicht nur um Äste, sondern um weggerissene Bootsstege, Schlauchboote u.ä. So müssen die Bootsgassen gesperrt bleiben, bis sie kontrolliert und geräumt sind. An der Schleuse Kettwig gab es zudem ein Problem mit der Elektrik.

Auch die Ruhrunterhaltung selbst blieb vom Hochwasser nicht verschont. Unter anderem stand auch der Betriebshof in Hattingen unter Wasser.

Ein weiteres Thema für das Dezernat 54 sind die Deiche. In der Flutnacht waren Mitarbeiter vor Ort u.a. in Oberhausen-Alstaden und Mülheim-Saarn, um die Sicherung der dortigen Ruhr-Deiche zu überwachen und die Helfer zu beraten. Zum Glück konnten beide Deiche gehalten werden. Mülheims Oberbürgermeister Mark Buchholz hat sich für die „schnelle und effektive Zusammenarbeit und die tatkräftige Unterstützung vor Ort“ ausdrücklich bei der Bezirksregierung bedankt.  Hier und in den anderen Kommunen werden in den nächsten Wochen Gespräche mit den Hochwasserschutzverantwortlichen stattfinden, wie es dort weitergeht, welche Maßnahmen erforderlich sind.

Ein Hauptaugenmerk liegt -nach Überflutungen und Ausfällen von Kläranlagen sowie Schadstoffeinträgen durch überflutete Unternehmen oder Heizungsanlagen - auf der Wasserqualität. Schließlich hängt davon zum Teil die Trinkwasserversorgung ab - aber auch die Bemühungen um Renaturierungen. Tonnenschwere Steine, die für eine Renaturierung des Flusslaufs sorgen sollen, sind einfach weggespült worden, wie z.B. der an die Elefantendame „Tuffi“ erinnernde Störstein in der Wupper.

Während der akuten Hochwasserlage war der Hochwasserstab des Dezernats aktiv, um Pegelstände, die Lage an Talsperren, Kläranlagen, Deichen im Blick zu behalten und dem Krisenstab der Bezirksregierung zuzuarbeiten. Im Nachgang werden nun zahleichen Kontrollen, Überprüfungen, Berechnungen und Gespräche stattfinden, zur Schadensfeststellung aber auch um in Abstimmung mit Landesumweltamt, Kommunen, Verbänden, Versorgern etc. die Ereignisse und Folgen aufzuarbeiten, zu analysieren und über notwendige Verbesserungen und Veränderungen zu sprechen.

Dabei wird es vielleicht auch zu einer Anpassung beim Hochwasserrisikomanagement und den entsprechenden Karten kommen, die ebenfalls im Dezernat 54 erarbeitet werden. „Vor dem Hintergrund der Ereignisse werden Hochwasserschutz und Hochwasserrisikomanagement im Austausch mit den hochwasserschutzpflichtigen Verbänden und Kommunen auf den Prüfstand kommen“, sagt der zuständige Hauptdezernent Wasserwirtschaft, Jörg Matthes.

Abteilung 4 - Schulen

Auch Schulgebäude im Regierungsbezirk waren und sind vom Hochwasser betroffen. Besonders in Düsseldorf, Essen, Wuppertal, Hilden, Erkrath und Duisburg hat das Wasser Spuren hinterlassen. Es galt, den Unterrichtsbeginn nach den Ferien sicherzustellen. Zum Glück kann das Schuljahr nach den aktuellen Erkenntnissen überall wie geplant mit Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler starten. An einem Gymnasium in Essen und einer Wuppertaler Gesamtschule muss wegen der Schäden mit Einschränkungen gerechnet werden. In Absprache mit den Schulträgern und in Kooperation mit anderen Schulen wird nach Lösungen gesucht.

Hilfe für Betroffene

Die Landesregierung NRW hat auf ihrer Homepage detaillierte Informationen über die finanzielle Soforthilfe zur Unwetterkatastrophe in NRW veröffentlicht.

Es gibt zudem zahlreiche Möglichkeiten für die Opfer der Flutkatastrophe zu spenden. Die großen Hilfsorganisationen in Nordrhein-Westfalen haben sich in der Aktion „NRW hilft“ zu einem Spendenbündnis zusammengeschlossen. Die Koordination der Aktion übernimmt das Deutsche Rote Kreuz. 

Das Spendenkonto:
Empfänger: NRW hilft
IBAN: DE05 3702 0500 0005 0905 05
Bank für Sozialwirtschaft

Weitere Informationen zu dem Spendenbündnis finden Interessierte auf der Internetseite der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen