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Innovative Methode zum Baustoffrecycling – Hoffnung auf Senkung der Rohstoffgewinnung

Im letzten Planungsausschuss durfte der Regionalrat einen Gast aus dem tiefsten Süden Deutschlands begrüßen. Herr Dr. Volker Thome, Abteilungsleiter für „Mineralische Werkstoffe und Baurecycling“ beim Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Holzkirchen, stellte das Prinzip der „Elektrodynamischen Fragmentierung“ vor.

Mit diesem Verfahren lässt sich unter anderem Beton recyceln. Im Gegensatz zu der aktuell verwendeten mechanischen Aufbereitung in Brechanlagen, wird hierbei der Beton nicht zerkleinert, sondern mittels ultrakurzer Blitze wieder in seine Ausgangsbestandteile wie Kies und Sand aufgetrennt. 

Beim Recycling mit den herkömmlichen Aufbereitungsanlagen werde das Material „nur“ zerkleinert und sei dann nicht mehr für hochwertige Verwendungen geeignet, so dass es zu ca. 70% als Straßenunterbau Verwendung finde, so Dr. Thome. Nach der Trennung mit der „Elektrodynamischen Fragmentierung“ würden die Primärrohstoffe jedoch wieder für hochwertige Verwendungen genutzt werden können. Der hierfür benötigte Energiebedarf pro Tonne Altbeton sei dabei in der Größenordnung der herkömmlichen Aufbereitung.

Aktuell wird der Bau einer großmaßstäblichen Testanlage am Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) / in der Abteilung »Mineralische Werkstoffe und Bauphysik« vorbereitet. In seinem Vortrag führte Herr Dr. Thome aus, dass Industriepartner gefunden seien und eine Ausgründung kurz bevorstehe. Er gehe davon aus, dass zirka in zwei bis vier Jahren Anlagen mit einer Recyclingleistung von 10-20 t/h am Markt verfügbar sein werden.

Dies lässt hoffen, dass durch die „Elektrodynamischen Fragmentierung“ die Wiedergewinnung von Kiesen und Sanden aus Altbeton die Gewinnung von Kiesen und Sanden als Primärrohstoffe für Bauprodukte perspektivisch teilweise substituiert werden kann und die Flächeninanspruchnahme durch Abgrabungen am Niederrhein in Zukunft geringer wird. Ob es hier zeitnah entsprechende (Modell-) Vorhaben auch in NRW geben wird, bleibt abzuwarten.

Herr Dr. Thome legte zudem dar, dass durch die Verwendung von fragmentiertem Altbeton in der Zementherstellung in neuer Material- und CO2-Kreislauf geschaffen werden könnte, durch den effektiv die sehr hohen CO2Emissionen der Zementherstellung gesenkt werden konnten. Hier erhoffe er sich eine entsprechende Berücksichtigung bei den klimapolitischen Rahmenbedingungen. Auch mit Blick auf die Reduzierung der Rückstände von Müllverbrennungsanlagen sieht er Perspektiven für die „Elektrodynamische Fragmentierung“.

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