Windkraftanlage (Symbolbild)

LANUV-Zwischenbericht zur Windenergie-Potenzialstudie

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) hat im Februar 2021 einen Zwischenbericht* zur laufenden grundlegenden Überarbeitung der alten Potenzialstudie Windenergie NRW* aus dem Jahr 2012 veröffentlicht.

Mit dem Zwischenbericht sollen – so das LANUV – die Ergebnisse und die Berechnungsgrundlagen des Abstands-Szenarios beschrieben werden, welches in Bezug auf Mindestabstände zu Wohngebäuden der geplanten Regelung der Landesregierung (Gesetzentwurf zur Änderung des Gesetzes zur Ausführung des Baugesetzbuches in Nordrhein-Westfalen vom 23.12.2020 mit 1.000 bzw. 720 m) am nächsten komme. Letztere betrifft die Abgrenzung der Bereiche, in denen die Windenergienutzung bei einer entsprechenden landesseitigen Nutzung der Möglichkeiten des § 249 Abs. 3 BauGB noch nach § 35 Abs. 1 Nr. 5 BauGB privilegiert ist.

Es wurden dabei zwei Szenarien berechnet, bei welchen die „Einzelfallprüfungsflächen“ unterschiedlich bewertet wurden: Einzelfallprüfungsflächen umfassen Flächenkategorien, bei denen die Möglichkeit einer Windenergienutzung aus landesweiter Perspektive nicht abschließend bewertet werden kann. Dies sind in der Studie z.B. die Bereiche von 300 m um Naturschutzgebiete, um FFH-Gebiete oder um Vogelschutzgebiete. In diesen Fällen ist die Windenergienutzung in der Regel abhängig vom Einzelfall und den konkreten Gegebenheiten vor Ort. Für die beiden Szenarien wurden die Einzelfallprüfungsflächen jeweils unterschiedlich betrachtet: Im „Restriktionsszenario“ wurden sie als Ausschluss-, im „Leitszenario Energieversorgungsstrategie“ als Potenzialfläche bewertet.

Die Summe aller identifizierten Potenzialflächen beträgt in der Variante „Restriktionsszenario“ in ganz NRW 7.375 ha (ca. 0,2 % der Landesfläche), im „Leitszenario Energieversorgungsstrategie“ 56.827 ha (ca. 1,7% der Landesfläche). Zu diesen Hektarangaben ist ergänzend anzumerken, dass innerhalb dieser Flächen auch bei einer Windstromproduktion weit überwiegend die bisherige – oftmals land- oder forstwirtschaftliche Nutzung – parallel fortgesetzt werden kann (Doppelnutzung).

Gemäß dem Zwischenbericht ergibt sich bis zum Jahr 2030 für NRW insgesamt ein Potenzial von 1.633 Windenergieanlagen (WEA) im „Restriktionsszenario“ und 3.462 WEA im „Leitszenario Energieversorgungsstrategie“. Dies entspricht einer potenziell installierbaren Leistung von 4,9 Gigawatt (GW) („Restriktionsszenario“) bzw. 14,6 GW („Leitszenario Energieversorgungsstrategie“), wobei verschiedene Komponenten zu betrachten sind: Beim Beispiel des Restriktionsszenarios entfallen 1.328 Anlagen mit einer Leistung von 3,3 GW auf jüngere Bestandsanlagen (Inbetriebnahme nach dem 1.1.2010), 26 potenzielle Anlagen mit einer installierbaren Leistung von 0,1 GW auf das Repowering und 279 Anlagen mit einer potenziellen Leistung von 1,5 GW auf den Zubau neuer WEA. Für das Leitszenario Energieversorgungsstrategie sind die entsprechenden drei GW-Werte 3,3 GW, 0,6 GW und 10,7 GW.

Zur Lokalisierung wurde im Zwischenbericht des LANUV – unter Thematisierung u.a. der Rheinschiene – Folgendes festgehalten: „Bei der räumlichen Verteilung der Potenziale der beiden Szenarien wird deutlich, dass sich die potenziellen neuen Standorte (Zubau und Repowering) insbesondere in den weniger dicht besiedelten Regionen des Landes konzentrieren. Während sich im Ruhrgebiet und entlang der Rheinschiene kaum potenzielle Anlagen befinden, zeigen sich für das „Leitszenario Energieversorgungsstrategie“ größere Potenziale im westlichen Teil des Regierungsbezirks Köln (u. a. Eifel, Rheinisches Revier), in den waldreichen Gemeinden des Sauerlandes, dem südöstlichen Bereich des Regierungsbezirks Detmold (Raum Paderborn) sowie vereinzelt auch im Münsterland. Für das „Restriktionsszenario“ zeigt sich eine größere Konzentration potenzieller Anlagen für den Bereich Paderborn.“ 

Betont wurde, dass einige Aspekte, die einen relevanten Einfluss auf das Potenzial haben nicht berücksichtigt worden seien, z. B. da sie im landesweiten Betrachtungsmaßstab kaum zu erfassen oder abhängig von lokalen und veränderbaren politischen Rahmenbedingungen sind (Artenschutz, Eigentumsverhältnisse, Flächennutzungsplankonzepte etc.). Das Potenzial der Windenergienutzung im Land dürfe daher in der Realität geringer ausfallen, als im Leitszenario ermittelt, so das LANUV.

Ergänzend hingewiesen wird auf eine aktuelle Publikation der Fachagentur Windenergie an Land zur Thematik der Akzeptanz insb. von Windenergieanlagen.

*Link zum Zwischenbericht und der alten Potenzialstudie Windenergie NRW

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