Frank Haller

Wir im Fokus – Frank Haller

„Nach der Krise ist vor der Krise“: Damit im Ernstfall alles funktioniert, braucht es gute Vorbereitung. Frank Haller aus Dezernat 22 gibt Einblicke in seine Arbeit bei der Gefahrenabwehr.

Wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Position gekommen?

Nach einer Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker bei der AEG bin ich zu den Stadtwerken Düsseldorf gewechselt. An der Abendschule habe ich dann den staatlich geprüften Techniker absolviert. Anschließend bin ich zur SMS-Group gewechselt. 

Daneben war ich im Schutzrauminstandsetzungsdienst* und in der ABC-Einheit* des Katastrophenschutzes der Stadt Düsseldorf tätig, bis der Kalte Krieg vorbei war und man uns in den Umweltschutzzug der Freiwilligen Feuerwehr überführt hat.

In der Bezirksregierung suchte man damals jemanden, der sich mit Katastrophenschutz auskennt und technikaffin ist. Mittlerweile arbeite ich seit 20 Jahren hier. 

Was versteht man genau unter Gefahrenabwehr?

Unter Gefahrenabwehr versteht man den Bevölkerungsschutz. Es geht um die Vorplanung von Einsätzen und Mitteln, die dem Schutz der Bevölkerung dienen – kurz: Krisenvorsorge. Das beinhaltet auch die Hilfe zur Selbsthilfe.   

Jede Stadt hat ein gewisses Kontingent an Feuerwehrfahrzeugen und Rettungswagen. Wenn das jedoch nicht ausreicht, müssen wir geordnet für weitere sorgen. 

Was sind Ihre Aufgaben in der Gefahrenabwehr?

Ich kümmere mich um die Technik des Krisenstabes, bin also dafür verantwortlich, dass im Krisenfall alles funktioniert. Das fängt bei den Rechnern und Telefonen an und reicht bis hin zu Satellitentelefonen.

Darüber hinaus bin ich für die Ausstattung von Katastrophenfahrzeugen mit Digitalfunk zuständig. Wenn also beispielsweise auf der Straße ein Fahrzeug der Malteser mit dem Fahrzeugkennzeichen „NRW“ beginnt, so ist das Fahrzeug durch unser Haus mit Funk ausgestattet worden.

Sie sagten bereits, dass Sie auch im Krisenstab tätig sind. Was sind Ihre Aufgaben hier?

Hier bin ich neben einem weiteren Kollegen Leiter der Informations- und Kommunikationstechnik, die in Zusammenarbeit mit unserer Informationstechnik des Hauses dafür zuständig ist, die Informationen, die aus und in den Krisenstab gelangen, zu koordinieren. Je nachdem, welche Dringlichkeit bestimmte Informationen haben und wie sicher die Kommunikation dabei sein soll, werden unterschiedliche Kommunikationswege genutzt. 

Wir helfen auch bei technischen Problemen und unterstützen den Ablauf im Krisenstab. Meine Intention ist es, den Krisenstab geordnet hochzufahren, am Laufen zu halten – dazu gehört auch mal Kaffee zu kochen – und ihn nach der Krise wieder herunterzufahren, also das Gebäude abzuschließen. Es heißt „nach der Krise ist vor der Krise“, denn im Anschluss bereiten wir für den nächsten Krisenfall wieder alles vor. 

Wann wird der Krisenstab aktiviert und wer entscheidet darüber? 

Vor der COVID-19-Pandemie hat man geglaubt, Krisen können nur aus der Rufbereitschaft des Dezernates 22 – Gefahrenabwehr – entstehen. Corona hat uns da eines Besseren belehrt. Im Prinzip kann jedes Dezernat in unserem Haus, meist aus einem Ereignis wie beispielsweise einer Pandemie, eine Krise ausrufen. Vorher muss Rücksprache mit einem Abteilungsleiter des Krisenstabes gehalten und eine Empfehlung ausgesprochen werden. 

Wie läuft die Arbeit im Krisenstab ab, wenn eine akute Lage eintritt?

Nach der Alarmierung finden sich die Mitglieder in den Räumlichkeiten des Krisenstabes ein. Wir verschaffen uns dann zuerst einen Überblick. Jede und jeder hat eine Aufgabe mit entsprechender Handlungsanleitung. Natürlich gibt es hier auch eine Hierarchie, dennoch ist es Teamarbeit. 

Im Grunde ist es weiterhin Verwaltungsarbeit, nur eben in einer komprimierten Form. Die Abteilungsleiterinnen oder -leiter treffen Entscheidungen, die wir anschließend umsetzen.

Die Arbeit im Krisenstab findet dann auch mal außerhalb der üblichen Arbeitszeiten statt, so wie es die Krise eben erfordert. 

Können Sie sich an einen besonders herausfordernden Einsatz oder eine Krisenlage erinnern? 

Im Prinzip ist jede Krise eine besondere Lage. Hier kann man auch keine Routine entwickeln. Wenn man jedoch weiß, was man tut, und die Handgriffe sitzen, ist das die halbe Miete. 

Was motiviert Sie persönlich an Ihrem Beruf?

Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und insofern ist das für mich eigentlich gar keine Arbeit – das ist eine Berufung. Es macht halt Spaß. 

Welche fachlichen und persönlichen Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man in Ihrem Beruf arbeiten möchte?

Auf jeden Fall Teamgeist. Im Alleingang zu arbeiten, funktioniert hier nicht. Darüber hinaus muss der Wille da sein, etwas zu bewegen. 

An fachlicher Expertise benötigt man eine Führungsausbildung im Brand- oder Katastrophenschutz, damit man die ganzen Abläufe überhaupt koordinieren kann und weiß, was dahintersteckt. Technikaffin sollte man auch sein. 

In einem großen Haus wie der Bezirksregierung gibt es viele verschiedene Aufgabenbereiche. Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden?

Die Vielfalt. Wir treffen Menschen aus allen möglichen Dezernaten und Fachrichtungen. Dies vereinfacht die Arbeit innerhalb der Behörde ungemein, denn wir sind ja schließlich eine Bündelungsbehörde. Auf Veranstaltungen wie Betriebsfesten kann man sich prima vernetzen. Auch im Krisenstab lernt man hier viele verschiedene Mitarbeitende kennen. 

Ich habe neben der Krisenstabsausbildung und verschiedenen Veranstaltungen im Haus viele junge motivierte Leute kennengelernt. In Krisen haben wir mehrfach bewiesen, dass unser Krisenstab gut funktioniert. 

Wie gelingt Ihnen die Balance zwischen Berufs- und Privatleben?

Welches Privatleben? (lacht) Klar ist das hier auch mal stressig, aber in Zeiten von Homeoffice und Gleitzeit hat man hier alle Freiheiten der Welt. Wenn es zu einer Krise kommt, „wohnt“ man halt mal in der Behörde. Das habe ich aber gewusst, als ich hier angefangen habe. Das geht natürlich nur, wenn man entweder Single ist oder den richtigen Partner an seiner Seite hat.


*ABC-Einheit: Eine Spezialeinheit zum Schutz vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren.

*Schutzrauminstandsetzungsdienst (SRID): Teil des früheren Zivilschutzes in Deutschland. Seine Aufgabe bestand darin, öffentliche Schutzräume nach einem Angriff oder einer Katastrophe wieder benutzbar zu machen. 

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