Frauen im Fokus – Susanne Wincek
Ob im Kontakt mit den Schornsteinfegerinnen und -fegern, bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern oder in der Abstimmung mit Behörden: Susanne Winceks Arbeit in Dezernat 34 ist vielfältig und oft auch herausfordernd. Im Interview gibt sie Einblicke in ihren Berufsalltag.
Wie lange sind Sie schon bei der Bezirksregierung Düsseldorf und wie sind Sie zu Ihrer jetzigen Position gekommen?
Ich bin seit 1984 bei der Bezirksregierung und durfte dieses Jahr mein 40-jähriges Dienstjubiläum feiern. 2021 wechselte ich in das Dezernat 34, weil dort jemand für die Schornsteinfegerangelegenheiten gebraucht wurde. Ich hatte zur selben Zeit nach einer neuen Aufgabe gesucht. Das hat also gut gepasst!
Was sind Ihre zentralen Aufgaben?
In diesem Beruf habe ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun. Einmal mit den Bevollmächtigten, also den Schornsteinfegerinnen und -fegern, die entweder schon bestellt sind oder bestellt werden möchten. Darüber hinaus habe ich Kontakt zu den zuständigen Kreisordnungsbehörden und mit der Schornsteinfegerinnung.
Die wichtigste Aufgabe ist die Bestellung der bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegerinnen und -feger sowie die Einteilung der 386 Kehrbezirke im Regierungsbezirk Düsseldorf und somit der 386 Bevollmächtigten. Von denen ist jede und jeder in etwa für 1.500-3.500 Liegenschaften zuständig.
Nebenbei betreue ich das Thema Schwarzarbeit, die Meisterprüfungsausschüsse bei der Handwerkskammer und die Verwaltungsausschüsse bei der Agentur für Arbeit. Das sind alles Aufgaben, die nur alle Jubeljahre mal anfallen.
Müssen Sie sich für Ihre Arbeit auch fachlich-technisch mit dem Handwerk der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger auskennen?
Müssen – nein. Es ist jedoch von Vorteil, wenn man das Fachliche mit den gesetzlichen Vorgaben verknüpfen kann.
Was es bedeutet, eine Schornsteinfegerin oder ein Schornsteinfeger zu sein, das wusste ich früher nicht. Mittlerweile habe ich eine Menge gelernt. Gerade bei Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern ist eine gewisse Kenntnis über den Beruf schon wichtig, um Fragen beantworten zu können. Manchmal braucht es eine übergeordnete Stelle, die bei Beschwerden erklären kann, wie es gesetzlich läuft, damit die Bürgerinnen und Bürger das auch annehmen können.
Mit welchen Herausforderungen sind Sie in Ihrem Arbeitsalltag am häufigsten konfrontiert?
Besonders herausfordernd sind Fälle, in denen Schornsteinfegerinnen und -fegern der Zutritt verweigert wird. Da sie eine hoheitliche Aufgabe haben, muss der Zutritt gewährt werden. Das ist absolut einzigartig, denn es gibt kaum einen Beruf, wo die Bürgerinnen und Bürger verpflichtet sind, jemanden in ihr Haus zu lassen.
Wird der Zutritt verwehrt, muss ich im Namen der Bezirksregierung sagen: „Tut mir leid, aber das Schornsteinfegerhandwerksgesetz bricht das Grundrecht auf die eigene Wohnung und der Bevollmächtigte ist in das Haus zu lassen.“ Im Zweifel muss die zuständige Kreisordnungsbehörde eine Duldungsverfügung erlassen und diese mit Zwang durchsetzen. Natürlich wird immer versucht das zu vermeiden, trotzdem passiert dies regelmäßig.
Das kann dann auch schon mal gefährlich werden. Im Rhein-Kreis Neuss hatten wir einen Fall, der es auch in die Medien geschafft hat. Eine Dame öffnete die Haustür mit einer Axt in der Hand. Der Bevollmächtigte und die Kreisordnungsbehörde zogen sich daraufhin zurück. Schließlich kam das Sondereinsatzkommando und konnte die Situation klären, damit der Bevollmächtigte die Feuerstättenschau durchführen konnte. Das ist natürlich ein extremer Fall.
Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um Ihren Beruf auszuüben?
Empathie, Zuhören und Verständnis zeigen sind wichtig, genauso wie eine klare Ausdrucksweise. Manchmal braucht es deutliche Ansagen, aber so, dass die Bürgerinnen und Bürger sich mitgenommen fühlen und nicht den Eindruck haben, wir wollen ihnen was Negatives.
Was motiviert Sie an Ihrem Beruf?
Der Umgang mit den Menschen und den verschiedenen Persönlichkeiten. Das macht mir total Spaß! Ich bekomme auch was zurück, zum Beispiel wenn mir ein Bevollmächtigter sagt, ich hätte mich gut gekümmert.
Haben Sie den Eindruck, dass sich das Berufsbild oder die Aufgaben der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger im Laufe der Zeit verändert haben?
Sehr deutlich sogar, denn die energetischen Herausforderungen sind gerade für die Schornsteinfegerinnen und -feger enorm. Fernwärme und Wärmepumpen nehmen zu, wodurch sich die klassischen Aufgaben verringern. Die Reinigung von Kaminen nimmt ab. Deswegen versuchen viele auch in anderen Branchen Fuß zu fassen wie beispielsweise in der Lüftungstechnik oder im Brandschutz. Stillstand gibt es in diesem Beruf nicht.
In einem großen Haus wie der Bezirksregierung gibt es viele verschiedene Aufgabenbereiche. Was schätzen Sie besonders an der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden?
Ich hatte schon viele verschiedene Aufgaben bei der Bezirksregierung. In meiner jetzigen Position habe ich kaum Kontakt zu anderen Dezernaten, weil das fachlich gar nicht vorgesehen ist. Ich finde es aber toll, dass man immer wieder auf Kolleginnen und Kollegen trifft, die genauso denken wie man selbst.
Darüber hinaus finde ich die Vielfalt der Aufgaben in der Bezirksregierung super. Wer möchte, kann sich intern alle paar Jahre neu orientieren – das habe ich bewusst mehrfach getan. 40 Jahre ein und derselbe Job? Das ist für mich undenkbar. Und so war ich in vielen verschiedenen Bereichen und habe tolle Menschen kennengelernt, sowohl in der Behörde als auch außerhalb.
Wie gelingt für Sie die Balance zwischen Privat- und Berufsleben?
Ich sage immer: Mich gibt es nur als Gesamtpaket. Ich bin nicht nur die dienstliche oder die private Susanne Wincek. Ich bin wie ich bin und möchte mich nicht verstellen. Natürlich finde ich Work-Life-Balance trotzdem wichtig. Inzwischen sind meine Söhne aber erwachsen und von daher fällt auch die Sorgearbeit weg.
Mein Beruf macht mir richtig Spaß. Bald bin ich in Rente. Das ist einerseits ein schöner Gedanke, andererseits auch beängstigend. Aber ich finde es spannend zu sehen, wie die Bezirksregierung sich weiterentwickeln wird.
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