Die Mitarbeitenden der Bezirksregierung Düsseldorf  beim 11. Symposium der Kriegsluftbildauswertenden.

Luftbildauswertung des KBD Rheinland schützt Mensch und Region

Die Luftbildauswertung ist ein zentraler Baustein bei der Kampfmittelbeseitigung in Nordrhein-Westfalen. Sie dient dazu, anhand historischer Luftaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg Hinweise auf mögliche Kampfmittelbelastungen zu erkennen und bietet damit die Grundlage für eine fundierte Gefahrenbewertung.

Diese Aufgabe übernehmen die Mitarbeitenden der Luftbildauswertung (LBA) im Dezernat 22 der Bezirksregierung Düsseldorf für die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln.  Aktuell besteht das Düsseldorfer LBA-Team aus zehn technischen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern. 

Grundlage ihrer Arbeit sind rund 230.000 alliierte Luftbilder, die während der Angriffe in den Jahren 1939 bis 1945 entstanden sind. Die Auswertung der Aufnahmen desselben Gebiets zu unterschiedlichen Zeitpunkten liefert wertvolle Informationen über ehemalige Bombenabwurfstellen, Verteidigungsanlagen, Kriegsschäden oder Kampfhandlungen.

Jährlich erhalten die Kolleginnen und Kollegen rund 17.000 Anträge auf Luftbildauswertung. Die können in Nordrhein-Westfalen ausschließlich von den örtlich zuständigen Ordnungsbehörden über das Kommunale Informationssystem über Kampfmittelbelastung (KISKaB) eingereicht werden. Die eingehenden Anträge werden anschließend im Geoinformationssystem ArcGIS bearbeitet, das weltweit für die Erfassung, Analyse und Visualisierung räumlicher Daten genutzt wird. 

Ein wichtiger Schritt: Seit 2016 erfolgt die Luftbildauswertung bei der Bezirksregierung Düsseldorf vollständig digital. Dafür wurden alle historischen Luftbilder aus den Kriegsjahren digitalisiert und georeferenziert, sodass die Auswertung mithilfe eigens entwickelter Werkzeuge mittlerweile am Bildschirm durchgeführt werden kann. Auch die abschließende Stellungnahme wird automatisiert erstellt und im Kommunalen Informationssystem über Kampfmittelbelastung (KISKaB) bereitgestellt, wo die antragstellenden Ordnungsbehörden jederzeit auf die Ergebnisse zugreifen können. 

Mit der Kombination aus historischem Bildmaterial, moderner Geoinformationstechnologie und langjähriger fachlicher Erfahrung leistet die Luftbildauswertung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) Rheinland einen wichtigen Beitrag zur sicheren Planung von Bauvorhaben und zum Schutz der Bevölkerung. 

Deutliche Spuren der Luftangriffe auf den Westen Deutschlands 
Dass die Bedeutung der Luftbildauswertung in Nordrhein-Westfalen besonders hoch ist, ist der Tatsache geschuldet, dass sich mehr als die Hälfte aller alliierten Luftangriffe auf Deutschland gegen das heutige NRW richtete. Darüber hinaus weist insbesondere der Westen des Landes – etwa die Eifel und der Niederrhein – eine hohe Belastung durch Bodenkampfmunition auf. Ursache sind die intensiven Bodenkämpfe im Winter 1944/45, die in dieser Region über Monate andauerten. 

Doch auch viele andere Regionen in Deutschland müssen mit den Kriegslasten umgehen. Alle zwei Jahre veranstalten die Experten der Luftbildauswertung aus nahezu allen Bundesländern ein Symposium. In diesem Jahr richtete der KBD Rheinland das Treffen im Hauptsitz der Bezirksregierung Düsseldorf an der Cecilienallee aus. Zwei Tage tagten knapp 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Vorschriften, technische Neuerungen und weitere fachspezifische Themen. Im Mittelpunkt stand dabei der fachliche und persönliche Austausch. „Gerade weil die Strukturen in den einzelnen Ländern so verschieden sind, wird dieser von den Teilnehmenden als sehr wertvoll wahrgenommen“, berichtet Dr. Kai Kulschewski, Dezernent für Luftbildauswertung beim KBD Rheinland. Die Bedeutung des Treffens betonte auch Regierungspräsident Thomas Schürmann: „Sie alle stehen vor ähnlichen Problemstellungen und können voneinander lernen“, sagte Schürmann. „Gefahrenpunkte gezielt zu suchen, ist ein wichtiger Beitrag für die Sicherheit und das Vertrauen der Menschen.“