Veranstaltungsreihe aufgeSCHLOSSen - Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher und Georg Lucht

aufgeSCHLOSSen - Das Glücksspiel und seine Kontrolle

Das Glücksspiel und seine Kontrolle

Georg Lucht, ehemaliger Geschäftsführer der Westdeutschen Spielbanken, referierte in der Veranstaltungsreihe „aufgeSCHLOSSen“ im Regierungspräsidium in Düsseldorf.

Nach einem Jahr Pause empfing Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher endlich wieder Gäste im Schlösschen der Bezirksregierung Düsseldorf. „Ich freue mich sehr, Sie nach dieser langen Abstinenz zur 6. Ausgabe unserer Veranstaltung „aufgeSCHLOSSen“ zu begrüßen“, sagte die Regierungspräsidentin.

„Spielbanken – Tradition trifft Moderne“ war das Thema. Aber was hat die Bezirksregierung damit zu tun? Das erfuhren die Besucherinnen und Besucher direkt vor Ort:

„Als Aufsicht muss sie Zähne haben, Zähne zeigen und aktiv mit den Unternehmen zusammenarbeiten.“
Georg Lucht

Glücksspiel, Geldwäsche, Kontrolle – In Dezernat 21 der Bezirksregierung Düsseldorf laufen diese Fäden zusammen: Hier ist die Aufsichtsbehörde nach dem Geldwäschegesetz (GwG) verortet, die oft auch gleichzeitig glücksspielrechtliche Erlaubnisbehörde ist. Im Fokus der Aufsichtstätigkeit stehen Wettvermittlungsstellen, Lotterien oder auch das Online-Glücksspiel.

Pferdewetten, Sportwetten, Lotterien und Spielbanken stehen - zur Verhinderung von Geldwäsche -unter der Aufsicht des Dezernats 21. Dessen Präsentation im Schlösschen reizte die Besucher. Spontan griffen sie zu Chips und Schieber, um ihren Einsatz zu platzieren oder eine Kugel rollen zu lassen. Hier war es nur ein Spiel: Gewinnen konnten sie Kugelschreiber, Trostpflaster oder die Erkenntnis, dass auch eine Fernsehshow für den guten Zweck den Aufsichtsmechanismen der Bezirksregierung unterliegt.

Casinos und Spielhallen werden auch von der Arbeitsschutzverwaltung überwacht. Besondere Schwerpunkte sind hier, wie auch in anderen Branchen, lange Schichten, Wochenend- und Nachtarbeit, aus Sicherheitsgründen installierte, andauernde Videoüberwachung der Arbeitsplätze und der Umgang mit nicht immer einfachen Kunden. Solche Arbeitsbedingungen bedeuten für die Beschäftigten eine hohe Belastung. Dezernat 56 informierte darüber ebenso wie zum Mutterschutz. Poster und selbst entwickelte Spiele zur Thematik verwickelten die Besucher in angeregte Diskussionen.

Welchen Herausforderungen werdende Mütter begegnen, erlebte, wer sich den Schwangerschaftssimulator überstreifte, hautnah: Langes Stehen, Bücken, Sitzen ist im sechsten Monat sehr mühsam. Die Arbeitgeber sind auch hier in der Pflicht, für geeignete Arbeitsbedingungen zu sorgen.

„Spielbanken – Tradition trifft Moderne“ - Der Referent des Abends, Georg Lucht, kennt sich in der Szene aus. Bis Ende August dieses Jahres hat er als Geschäftsführer die staatlichen Westspiel-Casinos in NRW privatisiert.

Der im Juli in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag erneuert den für alle 16 Bundesländer einheitlichen rechtlichen Rahmen und passt ihn den Entwicklungen der modernen (Internet-)Anforderungen an. Eines der Ziele: Spiel- und Wettsucht zu verhindern, vor allem Jugendliche zu schützen.

Das ist ambitioniert bei bis zu 800 Besuchern an einem Wochenendtag in einer großen Spielbank. „Der Spielerschutz“, sagt Georg Lucht, „steht im Mittelpunkt und ist eine große Herausforderung.“ Identitätskontrollen am Eingang, die Analyse des Spielerverhaltens und möglicher Veränderungen sowie die intensive Schulung der Mitarbeitenden, um früh Warnhinweise zu bemerken, gehörten zum Schutzkonzept. Mit einem gewissen Neid blicke er auf die Online-Anbieter. „Schon mit dem Einloggen sind die Spieler identifiziert und der Anbieter kann nachvollziehen, wie lange jemand spielt, mit welchen Einsätzen, welcher Risikoneigung und welcher Frequenz“, schildert Lucht.

Dass mit dem aktuellen Glücksspielstaatsvertrag Online-Glücksspiele in Deutschland möglich sind, ist eine wesentliche Neuerung. Lucht sieht auf der Haben-Seite dieser Entscheidung, dass der Staat den Markt nicht länger ausländischen Anbietern überlasse und Kontrolle zurückgewinne.

„In Nordrhein-Westfalen herrscht eine große Regelungsdichte, und das ist gut so.“
Georg Lucht

Die Spielerwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert: Statt exquisit gekleideter Menschen, die in gediegenem Ambiente am Roulette-Tisch ihre Jetons setzen, spielt sich das Geschäft heute ganz überwiegend vor den Automaten ab. Das Publikum ist höchst gemischt: „Morgens um 11:00 Uhr spielen dort vor allem Frauen ab 65 Jahren“, erzählt Lucht.

Kritischen Nachfragen aus dem Publikum im Plenarsaal zum Spielerschutz und Zweifeln, dass man Geldwäsche in Spielbanken verhindern könne, begegnete Georg Lucht mit dem Hinweis auf die Sicherheitsmechanismen und einem Plädoyer für sorgsame Kontrollen vonseiten des Innenministeriums und der Bezirksregierungen.

Am Ende bedankte sich Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher für den interessanten und inspirierenden Vortrag und den lebhaften Austausch mit den Gästen und ergänzte lächelnd: „Das Schlösschen wird kein Spielcasino.“